Stationär 2012

Stationär 2012 – Galerie Prisma

Arbeiten aus Beton stehen im  Fokus der von Andreas Zingerle hier ausgestellten Produktionen: Der Baustoff steht durch seine Beschaffenheit und Dichte im Widerspruch zur Leichtigkeit  der vom Künstler dargestellten Objekte aus dem Alltag. In den letzten Jahren seines Schaffens sind die unterschiedlichsten Dinge zur grauen Masse erstarrt: Für den Skulpturenpark Lana zum Beispiel hat er eine riesige Energiesparlampe in Beton gegossen. In der Kulturabteilung  14 in der Andreas Hoferstrasse erblickt man unerwartet eine Männerhose auf einem dunklen Sockel, so als wäre sie zufällig zum Trocknen hingelegt worden. Bei dieser  Ausstellung konzentriert sich Zingerle auf die Gummipuppe als bevorzugtes Motiv.

Das dezente Objekt an der Wand  kann als Ursprungsobjekt, als Startpunkt seines produktiven Prozesses betrachtet werden. Es zeigt eine zusammengelegte Variante, sozusagen den unverbrauchten oder jungfräulichen Zustand der Plastikpuppen, bevor diese durch vielfältige Verformungen in einem dauerhaften festen Zustand eingefroren werden. Der Kubus in der Mitte zeigt 27 zusammengepressten Körperimitationen, die zu einem einen Kubikmeter großen Würfel zusammengestellt sind.

Die Verzerrung von Körper spielt in der Kunstgeschichte vor allem in der figurativen Darstellung immer wieder eine wichtige Rolle. Im Manierismus zum Beispiel wurden die Körper gestreckt und überlang dargestellt, man denke nur an die Malerei El Grecos. Im  Kubismus – zitiert man beispielhaft die Arbeiten von Picasso  – wurden die Körper in ihrer Form aufgelöst. Andreas Zingerle entwickelt seine eigene Formensprache und arbeitet mit extremer Komprimierung. Die Körper werden in ihrem Volumen auf ein Minimum reduziert, trotzdem aber verlieren sie nicht an Massigkeit und Gewicht. Dazu kommt, als zweiter wichtiger Punkt in seiner Reflexion, dass er nicht das Original, den menschlichen Körper als Vorlage solchen verwendet sondern eine Nachbildung, eigentlich eine Kopie, nämlich die erotische Plastikpuppe. Ohne Zweifel kann dieses Objekt auf subtile Weise als Relikt unsere Zeit gelesen werden: Die Gummipuppe als Ersatzmensch, die den Mensch aus Fleisch und Blut ersetzt, um menschliche Bedürfnisse zu befriedigen. Ein Absurdum, das durch die leblose graue Masse auf eindrucksvolle Weise betont wird.

Lisa Trockner